Konzert: The Primitives
Ort: O2 Academy 3, Birmingham
Datum: 02.08.2019
Dauer: The Primitives 85 min, The Regulars 30 min
Zuschauer: vielleicht 200



Nach meinem Besuch beim Indietracks, dem Wacken der Indiepop- und Tweepop*-Szene, dem uns dieses Jahr ein wenig die Headliner fehlten, gab es ein paar Tage später Headliner satt. Fest eingeplant seit Monaten war, den Großbritannien-Urlaub mit dem Comeback-Konzert der wundervollen Camera Obscura in Glasgow enden zu lassen. Schon in Schottland erfuhren wir, daß die konzertscheuen Vaselines in Aberdeen spielen würden. Doch mein ersten Nach-Indietracks-Headliner waren die Primitives, die vor ein paar Wochen für ein besonderes Konzert in Birmingham angekündigt worden waren. Wem Camera wer? und Vaseline nichts sagen: in meiner Welt ist das, als spielten der FC Barcelona, PSG und Tottenham in der gleichen Woche in Ostwestfalen.

Die Primitives machten den Anfang. Nachdem die Band aus Coventry beim Cologne Popfest erstmals seit 30 Jahren in Köln aufgetreten war, war sie für zwei Shows nach Japan geflogen und hatte da unter anderem ihr erstes Album komplett gespielt. Ich war ein wenig neidisch, als ich das gelesen hatte, der Neid verflog, als Lovely auch für das außerhalb aller Touren stattfindende Konzert in Birmingham angekündigt worden war. 

In den 80ern wäre die Band um Sängerin Tracy Tracy wohl auch in der O2 Academy in Birmingham aufgetreten (wenn es die da schon in der Form gegeben hätte), da allerdings im großen Saal. 2019 war es leider die Academy 3, der kleine Raum mit Platz für rund 250 Zuschauer. Obwohl der Altersschnitt locker über 40 lag, waren überraschend viele jüngere Gäste da (kein Widerspruch, Mathe!).

Vier der jüngeren Frauen waren da wegen der Vorgruppe The Regulars („wir kommen hier aus der Gegend“) und riefen deren Bandname immer wieder rein, ich musste ihn eben trotzdem nachgucken. Die Gruppe klingt nach einer melodienärmeren aber stadiongestenreicheren Version der Arctic Monkeys hier aus der Gegend. Aber Vorgruppen – gute wie schlechte – spielen in Großbritannien kurz, manchmal weiß man, warum.

Die Primitives mögen ihren Popstar-Faktor eingebüßt haben (sie waren in allen britischen TV-Shows), sie sind musikalisch gut wie damals! Schon bei dem Konzert in Köln, bei dem ich nicht objektiv war, fiel mir auf, wie gut gealtert Band und Werk sind. Der Abend in Birmingham war – obwohl er jetzt nicht mehr der war, auf den ich 30 Jahre gewartet hatte – genauso so wundervoll. Nur daß er eben als Bonus das komplette erste Album enthielt.

Lovely habe ich sehr oft gehört („a record is not just a record, records can hold memories“), nicht bloß die alles überstrahlende Single Crash, die später Belle & Sebastian (hui) und die No Angels (uff) gecovert haben. Da erst die drei Männer (Gitarrist Paul, Schlagzeuger Tig und Bassist Raph, der den 2009 verstorbenen Steve Dullaghan seit der Reunion 2009 ersetzt) auf die Bühne kamen und von Tracy noch nichts zu sehen war, war zu erwarten, daß das Konzert nicht wie Lovely mit Crash beginnen würde. Das erste Lied war dann auch eines von vor der Platte, We found a way to the sun. Tracy kam nach den ersten Takten auf die Bühne und sah wie in Köln nach Popstar aus. Es folgte Spin-O-Rama vom gleichnamigen 2014er Comeback-Album, bevor Crash den erste-Platte-Part einleitete. 

Die Band spielte vor Heimpublikum – musikalisch wie örtlich. Coventry ist nicht weit von Birmingham, große Teile des Publikums waren angereist. Und alle kannten Lovely in- und auswendig. Es war wie so oft bei Konzerten in England eine Mitsing-Party. „Jetzt kommt die B-Seite!“ – „Was kommt jetzt?“ – „Die B-Seite! Die erste Seite ist fertig.“ 

Das zweite Stück der B-Seite kündigte Tracy Tracy mit „jetzt kommt der Song vom T-Shirt“ an, sie guckte auf viele davon. Der berühmteste Träger eines „Stop killing me“ Shirts war in den 80ern Morrissey, der die Primitives kennenlernte, als er James sehen wollte, so begeistert war, daß er danach die Band bei einem Konzert ansagte und oft deren Shirt trug. 

Musikalisch war das alles bis Buzz buzz buzz nicht überraschend (aber toll!). Gerade bei Songs wie Thru the flowers merkt man, daß in der Band aus den Midlands auch eine Ecke Wave steckte und das Label „blonde pop“ eher in die falsche Richtung leitet. 

„This was Lovely – how was it for you?“

Nach der Platte folgte ein zehnteiliges Best-Of der anderen Alben und Singles mit Perlen wie Really stupid oder Sick of it

Das fantastische Konzert verdiente (natürlich!) einen viel ausführlicheren Bericht! Aber es kamen ja auch noch die Vaselines. Und Camera Obscura

Setlist The Primitives, O2 Academy Birmingham:

01: We found a way to the sun
02: Spin-O-Rama

Lovely:
03: Crash
04: Spacehead
05: Carry me home
06: Shadow
07: Thru the flowers
08: Dreamwalk baby
09: I’ll stick with you
10: Nothing left
11: Stop killing me
12: Out of reach
13: Ocean blue
14: Rund baby run
15: Don’t want anything to change
16: Buzz buzz buzz

17: Way behind me
18: Rattle my cage
19: You are the way
20: Summer rain
21: Sick of it
22: Lose the reason
23: I’ll trust the wind

24: Really stupid (Z)
25: Petals (Z)
26: Panic (Z)