Im Radio:
Vom 11.- 17. März 2019

Anfang März war der meteoroligische Frühlingsanfang. Die Zugvögel kehren früher aus dem Süden zurück, der Winterschlaf war ja eher so ein Pseudo-Nickerchen und euch waren eure Winterjacken vermutlich auch schon viel zu warm. Aber was genau passiert eigentlich, wenn der Winter sich dem Ende neigt und es sich im Tierreich wieder richtig regt? Wir haben verschiedene Expert*innen dazu befragt und ein buntgefiedertes Sammelsurium in einer schönen Tierwoche für euch zusammengestellt.

Alles, was ihr im Laufe der Woche im Programm hört oder eben verpasst, findet ihr hier:
Der Daily Dachsreport mit Anna Martinsohn

Der Daily Dachsreport: Familie

Wortredaktion

Mila Weidelhofer
Wortredaktion
Spezialgebiet: Feminismus, Innenpolitik, Rückrufe und Feierabendbier auf der Dachterrasse”

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Beitrag: Das Nördliche Breitmaulnashorn
Sie heißen Najin und Fatu und sie sind die letzten ihrer Art: Die beiden Nördlichen Breitmaulnashörner leben gut geschützt in einem Reservat in Kenia. Allerdings können sie keine Babys machen, denn sie sind beide Weibchen. FluxFM-Redakteurin Lena Mempel hat Menschen getroffen, die die Spezies retten wollen.


Das hier ist ein Nashornschädel und hier ist eine Scheibe aus dem Schädel. Das Gehirn befindet sich hinten in diesem Bereich. Alles andere da vorne ist nur Kampfmaschine. So groß wie eine Mango ist das Hirn ungefähr. Für so ein großes Tier ist das ein sehr kleines zentrales Steuerungssystem.

Graubräunlich, 1,80 Meter groß, drei Tonnen schwer mit sehr haarigen Ohren: Das Nördliche Breitmaulnashorn ist ein Koloss und absolut kein Stratege. Seine Probleme löst es mit Kraft statt mit Köpfchen. Schon seit langem sind die friedlichen Riesen durch Wilderei vom Aussterben bedroht. Das hat fatale Folgen für das empfindliche Ökosystem in Afrika, sagt Thomas Hildebrandt, Reproduktionswissenschaftler am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Friedrichsfelde:

Von ihnen hängen sehr viele andere Tierarten ab: Vögel, Insekten, kleine Antilopen, die die Wanderwege dieser Nashörner nutzen. Das ist jetzt alles verloren gegangen und führt zu einem starken Umbruch. Dann kann es sein, dass da Krankheitserreger herauskommen. Das heißt also: Je besser wir diese Ökosysteme intakt lassen, umso geringer ist die Gefahr, dass wir als Menschen direkt oder indirekt negativ betroffen werden.

Drei Autostunden von Nairobi auf einem trockenen Hochplatteau leben Najin und Fatu – die allerletzten Landschaftsarchitekten, wie Thomas Hildebrandt Nördliche Breitmaulnashörner gerne nennt. Zwei Weibchen, unfruchtbar und miteinander verwandt. Das letzte Männchen, Sudan, vor einem Jahr gestorben. Eigentlich das Ende einer Tierart. Oder doch nicht?

Zum einen muss man wissen, dass Sudan rein technisch nicht tot ist, weil wir haben sein Sperma, wir haben seine Zellen, die alle noch lebensfähig sind. Und jede Zelle eines Körpers enthält den Bauplan für den Organismus. Wir werden versuchen aus seinen Zellen Spermien im Reagenzglas zu züchten und dieses Sperma wieder einzusetzen.

Phase Eins des Rettungsversuches läuft bereits: Gerade wartet das Forscherteam auf die Genehmigung aus Kenia. Sie wollen den beiden Nashornweibchen Eizellen entnehmen und mit dem eingefrorenen Sperma Reagenzglas-Embryonen zeugen. Die werden dann von Leihmüttern, wahrscheinlich eng verwandte Südliche Breitmaulnashörner, ausgetragen. Die Zeit drängt, denn die futuristischen Breitmaulnashornbabys müssen von ihren zwei Tanten noch einiges lernen:

Sie würden vielleicht, wenn sie neben einer Giraffe aufwachsen, sich wie eine Giraffe fühlen. Wir wollen keine Zirkustiere erzeugen, wir wollen diese Tiere wirklich wieder funktionsfähig in ihre natürlich Umgebung überführen. Und deshalb ist es wichtig, dass diese neuen Babys lernen, wie man Gras frisst, wie man sich aufstellt, wenn Gefahr droht. Und wir hoffen, dass uns dieses Vorhaben auch gelingt.

Ein Baby macht aber noch lange keine Population. Deshalb gibt es Phase Zwei: Dafür nutzt das Team die Stammzellen von zwölf Tieren, die zwar gestorben sind, aus deren Zellmaterial aber Eizellen und Spermien produziert werden können. Dann gäbe es 17 neue Nördliche Breitmaulnashörner. Graubräunlich mit sehr haarigen Ohren.

Wortredaktion

Lena Mempel
Wortredaktion
Spezialgebiet: Stil, Stadtleben, Popkultur, Crowdfundings – und verganer russischer Zupfkuchen”

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Derk Ehlert startet seine 5. Fluxpedition ins Tierreich
Wildtierexperte Derk Ehlert lädt euch wieder ein, an der 5. Staffel seiner Fluxpedition ins Tierreich teilzunehmen. Weil mit beginnendem Frühling auch die Frühlingsgefühle erwachen, hat euch Derk den Berliner Rödelführer zusammengestellt.

Staffel 1 bis 5 seiner Fluxpeditionen findet ihr hier.