Konzert: Best Kept Secret Festival
Ort: Tilburg
Datum: 31.05.-02.06.2019
Dauer: 3 Tage
Zuschauer: unterschiedlich wg. Tageskarten


Der zweite Tag beginng mit einer schönen Tradition niederländischer Festival. Es gibt eine öffentliche Live-Session des Senders 3voor12. Ohne Gewinnspiel o.ä., jeder ist willkommen, nur frühzeitiges Erscheinen ist wichtig. Diesmal spielen am Samstag die Niederländer von Feng Suave auf.


Wer sie noch nicht kennt: eine fabulöse Liveband mit viel Improvisation und Können. Psy-Pop könnte es sein, schwer zu beschreiben, daher hier der Link zur Session. 

Feng Suave – Best Kept Secret – Session / 3voor12

Ich finde die Songs wirklich erfrischend und gelungen. Danach schnell weiter im Laufschritt, schließlich heisst die nächste Band ja Sports Team. Die Bandmitglieder sehen allerdings selber wenig sportlich aus, als sie auf die riesige Zeltbühne stolpern. 

Mit ihren komischen Klamotten, die fast an Verkleidungen erinnern, sehen sie schon sehr eigenartig aus. Doch schnell verfliegt dieser Effekt, denn was Sänger Alex Rice veranstaltet, ist noch viel irrer. Auch wenn das Ganze oft nach einer Pavement-Coverband klingt (dabei stammen Sports Team aus England), ist die Band neben den Fountains D.C und Black Midi wohl der beste Newcomer des bisherigen Jahres.


Witz und Ironie verbreiten sie jedenfalls reichlich. Alex Rice scheint seine Tabletten heute nicht genommen zu haben, keine Sekunde steht er still, die anderen Grinsen ebenfalls während des ganzen Auftritts um die Wette. Die Songtitel heißen „Ashton Kutcher oder „Winter Nets“. Auch die besseren Zeiten von Weezer scheinen oft musikalisch durch, bitte unbedingt ansehen.

Sports Team spielt außer beim Reeperbahn-Festival in Hamburg nur noch beim wunderschönen, kleinen Misty Fields Festival in den Niederlanden (07.09.2019), kurz hinter der Grenze. 

Misty Fields Festival 2019

Am Nachmittag gibt es dann im kleineren Zelt einen Indiemix der weiblichen Art: Hintereinander spielen dort Lucy Dacus, Snail Mail und Alouis Harding auf.


Lucy Dacus kommt direkt aus dem Flieger, Instrumente gibt es auch keine, also erstmal ein ungeplanter, spontaner Acoustic-Gig. Als dann die Band und Gitarren 30 Minuten eintreffen war das Publikum um einen außergewöhnlichen Auftritt reicher. 

Über Snail Mail auf der Bühne wollen wir nichts Schlechtes mehr schreiben, also lassen wir das dann auch. Alouis Harding wirkt ja immer etwas neben der Spur, verhuscht und träumerisch, oft auch etwas unnahbar. Ihre sehr ruhigen Stücke können im proppevollen und heißen Zelt ihre Wirkung leider nicht voll entfalten.

Daher weiter zu Death Grips, die sich wie immer durch ihr Programm prügeln, als wären The Prodigy eine Schnulzenband gewesen. In seiner Konsequenz ein toller Auftritt, aber 60 Minuten werden da schon lang. 

Cigarettes after Sex wäre jetzt das komplette Kontrastprogramm, aber Essen muss der Mensch und Blogger ja auch mal. Besonders vor Kraftwerk kann eine warme Mahlzeit ja nicht schaden, Bassgewitter mit leerem Magen ist doppelt anstengend. 


Wie da die vier Keyboards in der Umbaupause verloren auf der Bühne stehen ist schon toll. Mehr Reduktion geht einfach nicht. Sobald es losgeht muss man den ewigen Retrocharme der 3-D Show schon mögen, ansonsten wirkt es im Vergleich zu heutigen Produktionen schon sehr antiquiert.


Zum Glück ist der Sound heute fantastisch, nicht zu laut, nicht zuviel Bass, dazu der Sonnenuntergang am See. Ein traumhaftes Bild. Besonders die jüngeren holländischen Besucher lauschen mit andächtigem Schweigen den „Robotern“ auf der Bühne. Solche Legenden sieht man halt nicht alle Tage auf Festivals. 

Ein tolles (Kurz-)Wochenende geht zu Ende, den Sonntag habe ich mir dieses Jahr gespart. Bleibt abzuwarten wie sich die Festivallandschaft weiter entwickelt. Das BKS ist weiterhin jeden Besuch wert und wird sich jeder Veränderung stellen.