1989 wurde der Game Boy erstmals in Japan verkauft. In Europa ging die Handheld-Konsole ab 1990 über die Ladentheke. (Quelle: FluxFM / Ron Stoklas)

Tetris, Super Mario, Zelda: Drei Spiele, die den Siegeszug des Game Boy seit 1989 begleitet haben. Am 21. April feiert er sein 30. Jubiläum. FluxFM-Gaming-Experte Ron Stoklas widmet sich der 8-Bit-Konsole. Sie war ein echter Gamechanger, sowohl für Nintendo als auch die Gesellschaft.


Spiele für die Hosentasche

Ein Sound als Türöffner für ein ganzes Spiele-Universum im Hosentaschenformat. Das ist der Game Boy. Seit 1989 begleitet uns der graue Spiele-Klotz. Woher die Faszination kommt, erklärt Jens Junge, der Direktor des Instituts für Ludologie, also der Spielewissenschaft, an der Design Akademie Berlin.

„Das Thema ‚handheld‘ ist ganz wichtig. Dass man auch fernab von den Blicken der Eltern unter der eigenen Bettdecke weiterspielen konnte. Und das solche Spiele eben wie Pokémon, Super Mario, Tetris, Donkey Kong oder Zelda auf diesem Gerät machbar waren. Es ist also nicht nur das Stück Technik gewesen, was faszinierte, sondern vor allem die Spiele, die dieses Gerät getragen und es verkaufbar gemacht haben.“

Neues Spiel für den alten Game Boy
    Mit Tobu Tobu Girl Deluxe ist 2017 ein neues Spiel für den Game Boy erschienen. Der bis dahin letzte Titel war die Gelbe Edition von Pokémon aus dem Jahr 2000 (Veröffentlichung in Europa). Für den Nostalgie-Kick wurde per Crowdfunding sogar eine Modul-Umsetzung realisiert. Wer keinen Game Boy hat, kann Tobu Tobu Girl Deluxe trotzdem spielen. Es ist als kostenloser Download für den heimischen Rechner verfügbar.

Kleiner Überlebenskünstler

Technisch ist der Game Boy damals nichts besonderes. Mit nur 8 kb Ram und vier Graustufen inklusive Grünstich ist die Konsole schwächer als die Konkurrenz in Form von Atary Lynx und Segas Game Gear. Der Game Boy überdauert. Dank Spielen, einem günstigen Preis und einer Nokia 3310-gleichen Lebensdauer.

„Mit dem Game Boy haben sie [Nintendo] wirklich ein Kult-Projekt gestartet, was sie damals bestimmt noch nicht ahnten, aber auch technische Qualität geliefert. Manche haben noch den Game Boy im Schrank stehen – ich auch – und der läuft seit 30 Jahren. Da gibt es ja jetzt kein Akku-Ende, ich muss nur irgendeine Batterie wieder mal reinstecken. Aber der läuft und funktioniert noch und ich kann immer noch auf meinem Game Boy Tetris spielen.“

Konsole als Kultobjekt

Der kleine graue Block ist mittlerweile mehr als „nur“ eine Konsole. Der Game Boy ist Kulturgut. Als Lifestyle-Objekt schmückt er Wohnungen. In der Musik werden mit seiner Hilfe neue Songs erschaffen. Und für das innere Kind ist er die perfekte Zeitmaschine.

„Das ist im Brettspielbereich, im PC-Bereich und eben jetzt auch im Konsolenbereich so, dass man auch nach 30 Jahren Kindheitsgefühle gerne wieder aufleben lassen möchte und deshalb wieder zu diesen alten Spielen greift. Man taucht halt wieder in die Gefühle, die Erlebniswelten von damals ein und das tut uns Menschen einfach gut.“

Game Boy Forever

Süchtig-machende fallende Steine, kleine Monster, die es zu fangen gilt und ein Klemptner im Pilzrausch: Alle haben sie zur Faszination der Hosentaschenkonsole beigetragen. Eine, die auch noch in 30 Jahren bestehen wird. Am unzerstörbaren Game Boy wird es nicht scheitern.

Das komplette Interview mit Jens Junge vom Institut für Ludologie zum Nachhören

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